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Ich will raus: Leben danach                                                                                                                    




Wie es nach erfolgreichem Ausstieg aus der Sucht im Leben weitergehen kann?

Dafür gibt es viele Wege.

Folgende Aufzeichnungen eines Betroffenen können dir möglicherweise Anregung und Ansporn sein.



Entgiftung, Therapie, Adaption und dann doch wieder arbeitslos ...?

Ich war hoch motiviert und voller Hoffnung, nun auch endlich wieder einen Arbeitsplatz zu finden, als ich nach der Langzeittherapie und der Zeit in einer Adaptionseinrichtung in Weimar wieder nach Hause in meine Heimatstadt kam. Doch dann holte mich die Realität ein: Als ich das erste Mal nach dieser ganzen Zeit das Arbeitsamt wieder sah und die vielen Menschen, die einen Job suchten.

Ich habe - meinem beruflichen Ziel entsprechend - ein Praktikum während der Adaption absolviert und stellte für mich fest, dass ich wieder in meinem Beruf als Koch arbeiten möchte und kann, wenn auch nicht in der Gastronomie. Aber die Arbeit in einer Großküche bereitete mir viel Freude. Schließlich bekam ich seit Jahren das erste mal wieder das Gefühl, etwas Sinnvolles tun zu können und nicht mehr von allen Menschen als ein "Taugenichts" und Versager hingestellt zu werden.

Doch trotz guter Beurteilungen und unzähliger Bewerbungen bekam ich immer wieder Absagen. Ist das ein Grund zu resignieren und eventuell zu sagen: " sowieso alles sinnlos "? Nein. Ich glaube nicht. Die Flasche ist wie bei jedem Suchtkranken nur eine Arml"änge von mir entfernt. Aber da die "gesunde" Angst vor einem Rückfall größer ist als meine Probleme, versuche ich gar nicht erst, an eine Lösung durch Alkohol zu denken. Schließlich weiß ich ja, wohin das führt.

Viele Menschen in unserem Land schimpfen über Hartz IV und "1-Euro-Jobs" - zum Teil sicher mit Recht. Aber es gibt vor allem in meiner Situation zu bedenken, dass ich mit Hilfe einer solchen Arbeitsmöglichkeit, wenn auch nur als Überbrückung, wieder die Möglichkeit habe, eine Selbstbestätigung für mich zu finden. Das Gefühl gebraucht zu werden stärkt mein Ego. Zudem kann ich über die Tätigkeit in einem 1-Euro-Job wieder Kontakte zu anderen Menschen knüpfen. Mein Tag hat eine festgelegte Struktur. Wenn ich nach Feierabend zu Hause ankomme und meinen Feierabendkaffee genieße, überkommt mich eine Zufriedenheit, den Tag sinnvoll ausgefüllt, etwas Nützliches vollbracht zu haben und auch wieder einen Tag der Trockenheit zufrieden erlebt zu haben.

Ich persönlich habe diesen Job zunächst als Ehrenamt ausgeführt, da die Stelle noch nicht als 1-Euro-Job ausgeschrieben war. Ich arbeitete im Stadtmuseum Gera. Ich half beim Erstellen der ersten Ausstellung nach langer Umbauzeit, ging dem Hausmeister bei täglich anfallenden Arbeiten zur Hand. DieseTätigkeit knüpft an ein Hobby aus meiner Jugendzeit an, einer Zeit, als ich noch nicht trank. Und da ich mich mit dem Inhalt der Ausstellung auch thematisch gut auskannte, übernahm ich ab und an auch Führungen von Besuchergruppen durch unser Museum. Entsprechende soziale Kompetenz konnte ich mir in der Therapie und der Adaption aneignen. Mit dieserTätigkeit habe ich zum einem also eine Tagesstruktur, eine interessante Hobbytätigkeit und einen kleinen Zuverdienst zum ALGII.

Ich bin auch ein wenig stolz darauf, da ich mir diese Stelle selbst geschaffen habe, indem ich auf die entsprechenden Ansprechpartner im Museum und der Kulturdirektion sowie der Arbeitsagentur zugegangen bin und den entsprechenden Vorschlag unterbreitet habe.


Auch 1-Euro-Jobs sind inzwischen in manchen Regionen knapp. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten solche Arbeit zu bekommen: Vor allem in größeren Städten wie Gera, Jena, Weimar und Erfurt gibt es Kulturdirektionen oder - wie in Gera - Ehrenamtsstellen. Diese wissen, wo in der Stadt ehrenamtliche Helfer benötigt werden und vermitteln zu den entsprechenden Ansprechpartnern in öffentlichen Einrichtungen. Dies können Kultur-,Sport- oder Begegnungsstätten sein. über die Ehrenamtszentrale ist man dann registriert und, was das Wichtigste ist, auch unfallversichert während der Tätigkeit.

Eine solche Tätigkeit bringt keine finanzielle Vorteile, fällt aber den Alltag mit Zufriedenheit aus und kann anschließend sogar zu einem 1-Euro-Job umgewandelt werden, wenn der entsprechende Vorgesetzte dies über die Arbeitsagentur beantragt.

Ich weiß jetzt, ich kann Alles erreichen, wenn ich abstinent bleibe. Das wurde mir immer wieder gesagt von anderen trockenen Alkoholikern wiezum Beispiel von meinen Freunden aus der Montagsgruppe Gera. Mit ihrer Hilfe habe ich gelernt, mit meinen Alltagssorgen umzugehen. Gemeinsammit der Gruppe werde ich nun auch in diesem Monat wieder viele interessante Stunden erleben. Viele Erfolge, aber leider auch Misserfolge, warten im Leben auf uns! Nüchtern und mit der Hilfe von Freunden aus den Selbsthilfegruppen können wir alle voneinander lernen, mit Alltagsproblemen leichter umzugehen.


Ich wünsche euch allen eine gute, trockene Zeit voller interessanter Selbsterfahrungen und Erfolge sowie Selbstachtung.


Jörg
Montagsgruppe Gera




Meine "13 Goldenen Regeln "

Erfahren hab ich von diesen 13 Regeln während meiner Therapie durch eine Therapeutin. Noch heute bin ich dafür sehr dankbar.


Diese Regeln haben mir nicht nur während der Therapie sondern vor allem auch danach sehr geholfen, die unterschiedlichsten Situationen trocken zumeistern. Ich habe immer wieder erkannt, wie eng jede dieser Regeln miteinander verbunden ist. Gewissermaßen enthalten sie die Inhalte der 12 Schritte der Anonymen Alkoholiker - gewissermaßen für den täglichen Gebrauch.

Nachfolgend möchte ich nun kurz erläutern, in welcher Weise ich mir diese Regeln interpretiere und zunutze mache  in der Hoffnung, dass auch Du einiges davon für dich anwenden kannst

Zu den Regeln 1 bis 3
Zu den Regeln 4 bis 6
Zu den Regeln 7 bis 9
Zu den Regeln 10 bis 13
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