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Ich will raus: Leben danach - Regel 7 bis 9                                                                                        




Regel 7: "Die Schwester der Sucht ist die Lüge"


Zum Thema "Lüge" könnte ich als Alkoholiker sicher ein ganzes Buch schreiben. Du gewiss auch?! Deswegen nehme ich nur weniges davon heraus. Da ich mehrere Selbsthilfegruppen besuche ist mir aufgefallen, dass bei den Meisten es üblich ist, die Gruppen mit Befindlichkeitsrunden zu beginnen. Oft höre ich dann den Satz "Mit Alkohol habe ich kein Problem ...". Ich weiß natürlich, dass damit gemeint ist "ich habe im zurückliegenden Zeitraum nicht getrunken ". Ich höre aber mal genauer hin: Belüge ich mit diesem Satz nicht die Gruppe und mich selbst? Verleugne ich mit diesen Worten meine Krankheit?

Wie oft habe ich in meiner "nassen" Zeit diese Worte benutzt, wenn mich jemand gefragt hat "Hast du was getrunken?". Da habe ich natürlich immer gelogen! Als mich z. B. der Polizist fragte, ob ich Alkohol zu mir genommen habe, erklärte ich ihm "Ja, aber nur ein Bier zum Essen." Dabei fiel mir der halbvolle Flachmann aus der Jackentasche. Und natürlich zeigte der Alkomat stolze 2,3 Promille!

Ganz ehrlich: Vor allem zum Schluss wusste ich sowieso nicht mehr, wann und wieviel ich getrunken hatte. Oft waren meine Lügen derart verknüpft, dass ich selbst nicht mehr wusste, wem ich was erzählt hatte.


Regel 8: "Gelassenheit"


Diese ist eine der wichtigsten Regeln überhaupt. Sie bezieht sich auf den Gelassenheitsspruch der Anonymen Alkoholiker:



Gott gebe mir
die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.


Mit diesem Spruch habe ich viele Dinge während meiner Genesung für mich regeln können. Er findet in vielen Situationen für mich Anwendung. Und auch Trost, wenn die "Trauben" einmal für mich "zu hoch" hängen. Ich kann die Welt, die Menschen, die Zeit, die politischen und wirtschaftlichen Probleme, denen mein Leben ausgesetzt ist, nicht verändern. Ich bin nicht Gott. Aber ich kann mir meine Grenzen suchen und den Platz auf dieser Welt, der mich meinem Ziel - der zufriedenen Abstinenz - näher kommen lässt.


Regel 9: "Trocken bleibt, wer dafür dankt"


Nach meiner Therapie habe ich schon einige selbst gesetzte Ziele erreicht. Ich bin stolz darauf! Ich weiß, dass ich das mit Alkohol nie erreicht hätte. Meine Familie steht wieder zu mir, ich habe mir eine schöne kleine Wohnung eingerichtet und viele gute neue Freunde - auch trockene Alkoholiker - gewonnen.

Viele Interessen und Hobbys aus meiner Zeit vor der Trinkerei habe ich wieder entdeckt. Da ich trocken bin, kann ich meine Freizeit wieder aktiv und sinnvoll ausfüllen. Ich kann wieder jederzeit Termine wahrnehmen ohne die Angst, jemand bemerkt mein Zittern oder riecht meine "Fahne".


Das Leben ist wieder lebenswert - DANKE TROCKENHEIT!

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