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Ich will raus: Leben danach - Regel 10 bis 13                                                                                    




Regel 10: "Immer dafür sorgen, dass gengend Alkoholfreies zu Hause ist - keinen Durst leiden"

Habe ich genügend alkoholfreie Getränke im Haus, dann komme ich nicht so schnell auf die Idee, mal eben in den Supermarkt oder die Kneipe zu gehen. Hier werden mir sicher die Menschen begegnen, mit denen ich frher getrunken habe. Die könnten mich löchern, doch schnell Einen mit zu trinken. Gefährlich vor allem dann, wenn ich noch nicht so lange abstinent bin. Denn Alkohol löscht bekanntlich nicht den Durst, er spült nur meine Abstinenz weg!


Regel 11: "Alkoholfreie Zone im Haus"

In meinem Haushalt gibt es keinen Alkohol - meine Gäste haben das zu akzeptieren. Gute Freunde und Verwandte bringen mir diese Akzeptanz entgegen, wenn sie es ehrlich mit mir meinen. Im Handel gibt es ausreichende Angebote an alkoholfreien Getränken. So können jede Menge Fruchtsäfte getestet werden und mit Freunden, z. B. aus der Selbsthilfegruppe, alkoholfreie Cocktailpartys gefeiert werden. Es gibt tolle Rezepte - deine Freunde kennen gewiss auch welche.

Auch aus einem anderen Grund ist es wichtig, zu Hause eine alkoholfreie Zonezu haben: Saufdruck. So muss ich größeren Aufwand betreiben, um mir Alkohol zu besorgen. In dieser Zeit besinne ich mich eher und suche stattdessen Hilfe bei meinen Freunden von der Selbsthilfegruppe bzw. suche das Gespräch mit meinen Angehörigen. Notfalls gibt es in einigen Städten Suchttelefone, ansonsten hilft die Telefonseelsorge. Reden hilft - Trinken nicht!


Regel 12: "Offenheit und Ehrlichkeit immer"


Offenheit und Ehrlichkeit sind für mich die Grundlage von Therapie und Gruppenarbeit. Gegenseitiges Vertrauen kann nur so erreicht werden.Dazu gehört auch, dass ich meine Fehler zugebe und mich mit Kritiken auseinandersetze. Ich habe in meiner Vergangenheit viel Kraft und Zeit aufwenden müssen um meine Sucht zu verleugnen. Viel weniger Aufwand kostet es mich, offen über meine Probleme zu sprechen - vor allem in meiner Gruppe.

Schließlich erwarte ich auch von meinen Freunden ehrliche Antworten auf meine Fragen. Persönlich habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht mit Offenheit - vor allem, was meine Krankheit betrifft. Sowohl bei Suchtberatungsstellen und z. B. Schuldnerberatung als auch bei der Arbeitsberatung.

Während eines Praktikums in Weimar (Bestandteil der Nachsorge in einer Suchthilfe-Einrichtung nach meiner Therapie) bekannte ich mich gegenüber meinem Arbeitgeber ehrlich zu meiner Krankheit. So brauchte ich später keine Angst vor unangenehmen Situationen und Fragen haben. Die Kollegen zeigten sehr viel Respekt vor mir und meiner Offenheit. Dies hat mir die Arbeit sehr erleichtert. Sicher ist das von Fall zu Fall anders und jeder muss dies für sich abwägen. Am Wichtigsten ist für mich aber die Offenheit und Ehrlichkeit gegenüber mir selbst.


Regel 13: "Leben und leben lassen"


Zum abstinenten Leben gehört für mich, die schönen Seiten des Lebens zu genießen. Dazu gehört die aktive Freizeitgestaltung - auch und vor allem Aktivitäten mit den Freunden aus meiner Selbsthilfegruppe. Und nicht zuletzt die wieder erworbene geistige und körperliche Fitness! Meine Freizeitinteressen sind sehr weit gefächert, und dies sehe ich auch als Belohnung für all das an, was ich auf meinem Weg in die Trockenheit erreicht habe.

Ich lasse meine Familie und meine Freunde wieder an meinem Leben teilhaben. Ich belohne mich immer öfter selbst einmal für Erreichtes. Ich lasse aber auch anderen Menschen die Möglichkeit, ihr Leben zu leben wie sie es möchten. Abstinenz kann ich niemandem aufzwingen. Doch je mehr ich meine Abstinenz genießen kann, desto mehr habe ich auch Zufriedenheit für mich erreicht.

Jörg S.

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